Seit drei Jahren warten Anwohner im Chörenmattquartier auf spürbare Verbesserungen der Verkehrssituation. Bereits am 24. Oktober 2023 wurde die Regionalpolizei Bremgarten schriftlich auf den zunehmenden Durchgangsverkehr, Geschwindigkeitsüberschreitungen und Sicherheitsbedenken aufmerksam gemacht. Die Gemeinde Berikon erhielt die Meldung in Kopie. Inzwischen arbeitet sie an einem umfassenden Verkehrssicherheitskonzept. Doch während die Planungsarbeiten vorankommen, bleibt die Situation für die Betroffenen weitgehend unverändert.
Wer im Chörenmattquartier wohnt, kennt die Situation: Sobald sich der Verkehr auf den umliegenden Hauptstrassen staut, wird die Chörenmattstrasse nach Beobachtungen von Anwohnern regelmässig als Ausweichroute genutzt. Hinzu kommen Fahrzeuge, die zu schnell unterwegs sind, sowie parkierte Fahrzeuge, welche die Sichtverhältnisse an einzelnen Stellen beeinträchtigen.
Dabei bestehen bereits heute klare Verkehrsregeln. Im Quartier gilt Tempo 30, und für die Chörenmattstrasse besteht eine Zufahrtsbeschränkung mit der Ausnahme «Zubringer gestattet». Dennoch berichten Anwohner weiterhin von Fahrzeugen, welche die Strasse offenbar als Abkürzung benutzen.
Schon in der ersten dokumentierten Meldung vom Oktober 2023 wurde die Problematik konkret beschrieben. Besonders während der werktäglichen Abendspitze zwischen 17 und 18.30 Uhr werde die Chörenmattstrasse genutzt, um den Stau an der Mutschellenkreuzung zu umgehen. Auch Fahrten zum und vom Coop, mutmasslich unberechtigte Durchfahrten sowie Geschwindigkeitsüberschreitungen wurden damals angesprochen. Gleichzeitig wurde auf die Sicherheit spielender Kinder hingewiesen.
Die damalige Bitte an die Regionalpolizei war einfach: sporadische Kontrollen zu den besonders belasteten Zeiten.
Seither folgten weitere Meldungen, Gespräche und Abklärungen. Auch InsideBerikon hat bereits über die Situation berichtet. Aus Sicht der betroffenen Anwohnerschaft hat sich an der grundlegenden Verkehrsbelastung in diesen drei Jahren jedoch kaum etwas verändert.
Damit stellt sich eine zentrale Frage: Weshalb müssen die Anwohner auf ein neues Verkehrssicherheitskonzept warten, wenn es teilweise um die Einhaltung bereits bestehender Verkehrsregeln geht?
Verkehrssicherheitskonzept soll Lösungen bringen
Die Gemeinde Berikon setzt bei der Bewältigung der Verkehrsprobleme insbesondere auf ihr kommunales Verkehrssicherheitskonzept. Dieses basiert auf dem Kommunalen Gesamtplan Verkehr und befasst sich ausdrücklich auch mit dem unerwünschten Durchgangsverkehr in Wohnquartieren.
Wie Daniel Roos, Leiter der Abteilung Planung und Bau, Mitte Oktober auf die Anfrage eines Anwohners mitteilte, ist das Konzept inzwischen erarbeitet und befindet sich beim Kanton sowie bei der Regionalpolizei zur Vernehmlassung. Ziel ist es, dass der Gemeinderat das Konzept noch in diesem Jahr genehmigt.
Im Strategieteil sei auch eine Vorgehensweise gegen den Schleichverkehr festgelegt worden. Für das Budget 2027 sollen finanzielle Mittel beantragt werden, um prioritäre Massnahmen aus dem Konzept umzusetzen. Ob diese Mittel bewilligt werden, hängt vom Entscheid der Gemeindeversammlung ab.
Damit sind wichtige Schritte für die Zukunft eingeleitet. Welche konkreten Verbesserungen für die Chörenmattstrasse und den Grundackerweg vorgesehen sind und wann diese umgesetzt werden könnten, ist bislang jedoch nicht bekannt.
Dass die Gemeinde ein übergeordnetes Verkehrssicherheitskonzept erarbeitet, ist grundsätzlich sinnvoll. Nachhaltige Verkehrsplanung benötigt Zeit, fachliche Abklärungen und die Abstimmung mit verschiedenen Stellen. Schwerer nachvollziehbar ist hingegen, weshalb während dieser Planungsphase keine ausreichenden Verbesserungen bei den bereits heute bestehenden Problemen erreicht werden.
Auf die Frage eines Anwohners, weshalb die bisherigen Bemühungen im Quartier kaum spürbar seien, verwies Daniel Roos, Leiter der Abteilung Planung und Bau, darauf, dass sich das Verkehrssicherheitskonzept noch nicht in der Umsetzungsphase befinde.
Damit erklärt die Gemeinde, weshalb die im Konzept vorgesehenen Massnahmen bislang noch nicht umgesetzt wurden. Offen bleibt jedoch, welche Möglichkeiten unabhängig davon bestehen, um die Einhaltung der bereits geltenden Verkehrsregeln kurzfristig wirksamer sicherzustellen.
Bestehende Verkehrsregeln – doch wie werden sie durchgesetzt?
Ganz ohne konkrete Schritte ist die Gemeinde nicht geblieben. In der Vergangenheit wurden Gespräche mit ansässigen Betrieben und der Regionalpolizei geführt. Auch Kontrollen des ruhenden Verkehrs wurden nach Angaben der Gemeinde verstärkt.
Die Regionalpolizei wurde zudem aufgefordert, vermehrt Geschwindigkeitskontrollen in der Chörenmattstrasse und im Grundackerweg durchzuführen. Ob und wann entsprechende Kontrollen tatsächlich stattgefunden haben, geht aus den vorliegenden Auskünften nicht hervor.
Dass Geschwindigkeitsüberschreitungen ein Problem darstellen, zeigen die bisherigen Verkehrsdaten. Bei einer verdeckten Messung im Frühjahr 2025 wurden an der Chörenmattstrasse innerhalb von rund einer Woche 2’747 Fahrzeuge registriert. Rund 38 Prozent überschritten die geltende Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h.
Damit liegen konkrete Messwerte vor, welche die Beobachtungen der Anwohnerschaft zumindest hinsichtlich der Geschwindigkeit bestätigen.
Geschwindigkeitskontrollen können die Verkehrssicherheit verbessern. Sie lösen jedoch nicht automatisch das Problem des unerwünschten Durchgangsverkehrs. Gerade die Durchsetzung der bestehenden Zufahrtsbeschränkung gestaltet sich nach Angaben der Gemeinde schwierig. Die Regionalpolizei verweist auf begrenzte Ressourcen und die notwendige Beweisführung. Denn allein aus der Durchfahrt eines Fahrzeugs lässt sich nicht feststellen, ob eine berechtigte Zufahrt vorliegt.
Diese Schwierigkeiten sind nachvollziehbar. Dennoch bleibt offen, wie die bestehenden Regeln künftig wirksamer durchgesetzt werden sollen. Zusätzliche Signalisationen oder bauliche Massnahmen werden gemäss einer aktuellen Auskunft der Abteilung Planung und Bau derzeit nicht gesondert geprüft.
Hinzu kommt, dass bereits angekündigte Verkehrsmessungen weiterhin ausstehen. Im April 2026 hatte Gemeinderat Stefan Bieri einem Anwohner auf dessen private Anfrage mitgeteilt, dass weitere Messungen in dessen Wohnstrasse geplant seien.
Auf erneute Nachfrage erklärte Bieri am 13. Oktober, dass diese bisher nicht durchgeführt worden seien. Die Gemeinde kläre derzeit mit dem Kanton ab, ob dieser die Messungen unterstützen könne, um aussagekräftigere Daten zu erhalten. Ein konkreter Termin ist weiterhin nicht bekannt.
Zusätzliche Erhebungen können helfen, die Verkehrsbelastung genauer zu beurteilen und später die Wirkung von Massnahmen zu überprüfen. Allerdings liegen bereits Messdaten aus dem Jahr 2025 vor, die zahlreiche Geschwindigkeitsüberschreitungen dokumentieren.
Die Frage ist deshalb nicht nur, welche weiteren Erkenntnisse benötigt werden, sondern auch, was auf Grundlage der bereits vorhandenen Daten kurzfristig unternommen werden kann.
Langfristige Planung ersetzt keine kurzfristigen Verbesserungen
Auch der Kanton Aargau plant Veränderungen, die langfristig Einfluss auf das Chörenmattquartier haben könnten. Mit dem regionalen Verkehrsmanagement Mutschellen–Bremgarten sollen die Verkehrsströme auf den Hauptachsen besser gesteuert, der öffentliche Verkehr bevorzugt und der Ausweichverkehr durch Wohnquartiere begrenzt werden.
Die Umsetzung entsprechender Massnahmen ist ab der zweiten Hälfte 2028 vorgesehen. Ob und in welchem Umfang das Chörenmattquartier davon profitieren wird, lässt sich derzeit noch nicht beurteilen.
Das kantonale Verkehrsmanagement könnte langfristig einen Beitrag zur Entlastung leisten. Für die Anwohnerschaft bedeutet dieser Zeithorizont allerdings, dass mögliche Verbesserungen noch Jahre entfernt sein können.
Dabei müssen zwei Aufgaben unterschieden werden: Die langfristige Verkehrsplanung soll die Ursachen des Schleichverkehrs angehen. Die Überwachung und Durchsetzung bereits bestehender Geschwindigkeitsbegrenzungen und Zufahrtsregeln ist hingegen eine Aufgabe, die sich schon heute stellt.
Die Gemeinde Berikon hat die Problematik aufgenommen, Gespräche geführt, die Regionalpolizei einbezogen und ein Verkehrssicherheitskonzept erarbeitet. Diese Bemühungen sind anzuerkennen. Gleichzeitig bleibt aus Sicht der betroffenen Anwohnerschaft nach drei Jahren die grundlegende Verkehrsbelastung bestehen.
Es geht nicht darum, von der Gemeinde zu verlangen, dass sie komplexe Verkehrsprobleme von heute auf morgen vollständig löst. Es geht um die Erwartung, dass während der Erarbeitung langfristiger Konzepte auch kurzfristige Möglichkeiten zur Verbesserung der Verkehrssicherheit konsequent geprüft und genutzt werden.
Drei Jahre nach der ersten dokumentierten Meldung ist die entscheidende Frage deshalb nicht mehr, ob die Problematik erkannt wurde. Sondern weshalb die Anwohnerschaft weiterhin auf spürbare Verbesserungen wartet – und was die zuständigen Behörden bis zur Umsetzung langfristiger Lösungen konkret unternehmen werden.
InsideBerikon wird die weitere Entwicklung verfolgen und insbesondere beobachten, welche Massnahmen das Verkehrssicherheitskonzept für das Chörenmattquartier vorsieht.

