Nachdem Inside Berikon über die mögliche Nutzung der Zivilschutzanlage bei der Kreisschule Mutschellen (KSM) als Asylunterkunft berichtet hatte, hat der Gemeinderat Berikon offiziell Stellung genommen.
Dabei wird deutlich: Auch der Gemeinderat beurteilt den möglichen Standort kritisch.
Gemäss Stellungnahme des Gemeinderates handelt es sich derzeit weiterhin um eine sogenannte Eventualplanung des Kantons Aargau. Konkret werde geprüft, ob die Zivilschutzanlage unterhalb der KSM Mutschellen bei Bedarf als Notunterkunft für Asylsuchende in Betrieb genommen werden könnte. Ein konkreter Entscheid oder eine geplante Inbetriebnahme bestehen laut Gemeinde aktuell jedoch nicht.
Vier Gemeinden haben beim Kanton interveniert
Besonders bemerkenswert ist, dass sich nicht nur Berikon, sondern insgesamt vier Gemeinden gemeinsam an den Kanton gewandt haben. Laut Gemeinderat haben Berikon, Rudolfstetten-Friedlisberg, Oberwil-Lieli und Widen ihre Vorbehalte gegenüber einer möglichen Inbetriebnahme der Anlage als Notunterkunft direkt beim Kanton deponiert.
Der Gemeinderat Berikon hält dabei ausdrücklich fest, dass er den Standort bei der Kreisschule Mutschellen als ungeeignet erachtet.
Sorgen um Schulbetrieb und Umfeld
Im Zentrum der Kritik steht die Lage der Anlage. Der Zugang zur Zivilschutzanlage befindet sich direkt auf dem Schulareal beziehungsweise unmittelbar neben Schul- und Sportanlagen.
Gemäss Stellungnahme der Gemeinde stellt insbesondere der Zugang mitten auf dem Schulgelände ein Problem dar. Zudem werden Bedenken bezüglich der Sicherheit von Schülerinnen und Schülern auf dem Schulweg, bei den Bushaltestellen sowie im Bereich des Bahnhofs Berikon-Widen geäussert.
Der Gemeinderat weist ausserdem darauf hin, dass der Schulbetrieb an der Kreisschule Mutschellen bereits seit längerer Zeit angespannt sei und nun wieder zur Ruhe kommen solle.
Diese Aussagen dürften viele Eltern und Einwohnerinnen und Einwohner aufhorchen lassen, nachdem das Thema in den vergangenen Wochen bereits intensiv diskutiert wurde.
Kanton verweist auf hohe Auslastung
Gemäss aktuellen Medienberichten begründet der Kanton die Eventualplanung mit der hohen Auslastung der bestehenden Unterbringungskapazitäten. Die verfügbaren Plätze seien derzeit zu rund 93 Prozent belegt. Aus diesem Grund würden vorsorglich zusätzliche Standorte geprüft, um auf einen möglichen weiteren Anstieg der Asylzuweisungen vorbereitet zu sein.
Der Kanton betont gleichzeitig, dass aktuell keine Inbetriebnahme der Anlage in Berikon vorgesehen sei. Es handle sich weiterhin um eine Eventualplanung. Parallel dazu würden auch andere mögliche Standorte geprüft.
Was bedeutet das aktuell?
Nach den derzeit bekannten Informationen gibt es keinen Entscheid für eine Inbetriebnahme der Zivilschutzanlage bei der Kreisschule Mutschellen als Asylunterkunft.
Gleichzeitig ist das Thema aber auch nicht vom Tisch. Die Anlage befindet sich weiterhin auf einer Liste möglicher Standorte, welche der Kanton für den Fall zusätzlicher Kapazitätsengpässe prüft.
Aus Sicht von Inside Berikon bleibt insbesondere die Frage zentral, ob eine Notunterkunft in dieser Grössenordnung direkt auf einem Schulareal überhaupt der richtige Standort wäre. Die Tatsache, dass sich gleich vier Gemeinden gemeinsam gegen diesen Standort ausgesprochen haben, zeigt, wie sensibel die Thematik in der Region beurteilt wird.
Die Stellungnahme des Gemeinderates schafft in mehreren Punkten Klarheit. Gleichzeitig bleiben verschiedene Fragen offen, die nach aktuellem Kenntnisstand noch nicht beantwortet sind. Dazu gehören insbesondere die mögliche Kapazität der Anlage, die vorgesehene Nutzungsdauer sowie die konkreten Rahmenbedingungen einer allfälligen Inbetriebnahme.
Wir werden die weiteren Entwicklungen verfolgen und über neue Informationen berichten.

