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Verkehr im Chörenmattquartier – Teil 2

Geschwindigkeiten im Quartier: Messdaten zeigen deutliche Veränderung

Im ersten Teil dieser Serie wurde aufgezeigt, wie die Chörenmattstrasse zunehmend als Durchfahrtsroute genutzt wird. Ein weiterer wichtiger Aspekt betrifft die tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeiten im Quartier.

Aktuelle Verkehrsmessungen geben hierzu einen genaueren Einblick.

Zwei Messungen im Vergleich

Für die Chörenmattstrasse liegen zwei Verkehrsmessungen vor: eine aus dem Mai 2024 und eine weitere aus dem Frühjahr 2025.

Die erste Messung wurde im Mai 2024 mit einem sichtbaren Smiley-Anzeigegerät durchgeführt. Verkehrsteilnehmende konnten dabei erkennen, dass ihre Geschwindigkeit erfasst wird.

In diesem Zeitraum wurden innerhalb von rund acht Tagen 2537 Fahrzeuge registriert, was einem Durchschnitt von etwa 318 Fahrzeugen pro Tag entspricht.

Die gemessenen Geschwindigkeiten lagen damals vergleichsweise tief. Die durchschnittliche Geschwindigkeit betrug 15 km/h, während die sogenannte V85-Geschwindigkeit – also jene Geschwindigkeit, die von 85 % der Fahrzeuge nicht überschritten wird – bei 29 km/h lag. Rund 8.8 % der Fahrzeuge überschritten die Marke von 30 km/h.

Die höchste gemessene Geschwindigkeit lag bei 55 km/h.

Deutlich andere Werte ein Jahr später

Die zweite Messung aus dem Frühjahr 2025 zeigt ein verändertes Bild.

Diese Messung erfolgte mit einem kleinen, unauffälligen Messgerät, ohne sichtbare Anzeige für die Verkehrsteilnehmenden.

In diesem Zeitraum wurden 2747 Fahrzeuge registriert – im Durchschnitt 404 Fahrzeuge pro Tag. Damit liegt das Verkehrsaufkommen spürbar höher als bei der ersten Messung.

Auch bei den Geschwindigkeiten zeigt sich eine klare Entwicklung:
Die durchschnittliche Geschwindigkeit stieg auf 27 km/h, während die V85-Geschwindigkeit 37 km/h erreichte.

Besonders auffällig ist der Anteil der Fahrzeuge, die schneller als 30 km/h unterwegs waren. Dieser liegt nun bei 37.7 % – also bei mehr als jedem dritten Fahrzeug.

Der Unterschied zwischen sichtbarer und unauffälliger Messung deutet darauf hin, dass sich das Fahrverhalten deutlich verändert, sobald Verkehrsteilnehmende wissen, dass eine Kontrolle stattfindet.

Geschwindigkeiten zu Spitzenzeiten

Ein Blick auf die zeitliche Verteilung der Messdaten zeigt, dass die höchsten Geschwindigkeiten insbesondere zu den Hauptverkehrszeiten auftreten.

Vor allem am Morgen sowie am späten Nachmittag und Abend – also in typischen Pendlerzeiten – steigen sowohl Verkehrsaufkommen als auch Geschwindigkeiten spürbar an.

Diese Zeitfenster decken sich mit den Phasen, in denen auf der nahegelegenen Bahnhofstrasse regelmässig Rückstau entsteht.

Gleichzeitig sind dies jene Zeiten, in denen viele Schülerinnen und Schüler die Chörenmattstrasse als Zubringer zur Primar- und Kreisschule nutzen. Höhere Geschwindigkeiten in diesen Zeitfenstern werden im Quartier daher als besonders kritisch wahrgenommen.

Einzelne sehr hohe Spitzenwerte

Die Messdaten zeigen zudem einzelne sehr hohe Spitzenwerte.

Die höchste registrierte Geschwindigkeit lag bei 108 km/h. Dabei handelt es sich um einen einzelnen Messwert, der statistisch nicht repräsentativ für das gesamte Verkehrsbild ist. Dennoch zeigt er, dass im Quartier vereinzelt sehr hohe Geschwindigkeiten auftreten können.

Auffällig viele grössere Fahrzeuge

Die zweite Messung erfasst zusätzlich auch die Länge der Fahrzeuge. Dabei zeigt sich folgende Verteilung:

  • rund 27 % kleine Fahrzeuge
  • rund 28 % klassische Personenwagen
  • rund 39 % grössere Fahrzeuge (Lieferwagen, Transporter oder ähnliche Fahrzeuge)
  • knapp 5 % sehr grosse Fahrzeuge

Damit gehört ein beträchtlicher Teil des Verkehrs zu grösseren Fahrzeugkategorien.

Gerade im Umfeld eines Wohnquartiers werden höhere Geschwindigkeiten solcher Fahrzeuge von Anwohnerinnen und Anwohnern häufig als besonders kritisch wahrgenommen.

Zusammenhang mit der Verkehrssituation im Umfeld

Die Messungen allein erklären nicht, weshalb sich Verkehrsmenge und Geschwindigkeiten verändert haben.

Im Quartier wird jedoch seit längerer Zeit beobachtet, dass die Chörenmattstrasse insbesondere bei Rückstau auf der nahegelegenen Bahnhofstrasse als alternative Route genutzt wird.

Ob und in welchem Umfang dieser Zusammenhang besteht, lässt sich anhand der Messdaten nicht abschliessend beurteilen. Die Zahlen zeigen jedoch, dass sich Verkehrsmenge und Geschwindigkeiten im Vergleich der beiden Messungen deutlich verändert haben.

Entwicklung über mehrere Jahre

Die Situation wird im Quartier seit mehreren Jahren thematisiert. Hinweise wurden wiederholt eingebracht – sichtbare, nachhaltige Massnahmen sind bislang jedoch ausgeblieben.

Vor diesem Hintergrund gewinnen die aktuellen Messdaten zusätzlich an Bedeutung, da sie eine Entwicklung sichtbar machen, die im Quartier bereits seit längerer Zeit wahrgenommen wird.

Wie geht es weiter?

Die Ergebnisse werfen mehrere Fragen auf:

  • Wie haben sich Verkehr und Geschwindigkeiten über längere Zeit entwickelt?
  • Welche Rolle spielt möglicher Ausweichverkehr im Quartier?
  • Welche Möglichkeiten bestehen, die Einhaltung der vorgesehenen Quartiergeschwindigkeit sicherzustellen?

Diese Fragen beschäftigen das Quartier bereits seit längerem.

Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie die verantwortlichen Stellen mit einer Situation umgehen, die seit Jahren thematisiert wird und sich nun auch in aktuellen Messdaten widerspiegelt.

Reicht es aus, die Entwicklung weiter zu beobachten – oder sind konkrete Schritte angezeigt, bevor sich die Situation weiter zuspitzt?

Im dritten Teil der Serie wird ein weiterer Aspekt der Verkehrssituation beleuchtet:
das Parkieren im Quartier und wiederkehrende Beobachtungen von abgestellten Fahrzeugen entlang der Chörenmattstrasse.


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