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Zuerst Strategie, dann Struktur

Der Gemeinderat von Berikon plant die Schaffung einer neuen Stelle mit jährlichen Kosten von rund CHF 130’000. Ziel ist es, die Funktion des Verwaltungsleiters organisatorisch von der Kanzlei (Gemeindeschreiber) zu trennen. Während der Verwaltungsleiter künftig sämtliche operativen Aufgaben verantworten soll, liegt die strategische Führung weiterhin beim Gemeinderat.

Die vorgesehenen Kosten entsprechen in etwa einem Steuerprozent – ein Entscheid mit spürbarer finanzieller Tragweite.

Organisation ist Sache der Verwaltung – aber nicht ohne Rahmen

Grundsätzlich ist die interne Organisation einer Verwaltung deren eigene Aufgabe. Entscheidend ist jedoch der finanzielle Rahmen, innerhalb dessen sich diese Organisation bewegt.

Denkbar wäre beispielsweise die Festlegung einer klar definierten Budgetobergrenze für die Verwaltung – etwa in der Grössenordnung von CHF 4’000’000. Wird diese überschritten, müsste ein Entscheid durch die Gemeindeversammlung erfolgen. Bei erhöhtem Spardruck könnte diese Obergrenze entsprechend angepasst werden.

Ein solcher Mechanismus ist in der Privatwirtschaft ebenso üblich wie auf Ebene von Bund, Kanton und zahlreichen Gemeinden: Die Organisation kann flexibel gestaltet werden, solange der finanzielle Rahmen eingehalten wird.

Fehlende strategische Grundlage

Unabhängig von der konkreten Organisationsform stellt sich jedoch eine grundsätzliche Frage: Wo steht Berikon in zehn Jahren – und wohin will sich die Gemeinde entwickeln?

Eine übergeordnete Strategie fehlt sowohl auf der Kosten- als auch auf der Ertragsseite. Ohne klar definierte Ziele bleibt unklar, welche Strukturen langfristig überhaupt benötigt werden.

Gerade auf der Kostenseite wäre eine vertiefte Prüfung der Zusammenarbeit mit anderen Mutschellen-Gemeinden naheliegend. Im Kanton Aargau sind steuerrechtliche Rahmenbedingungen für alle Gemeinden identisch. Auch im Bereich Planung und Bau unterscheiden sich die gesetzlichen Grundlagen nur marginal. Hier könnten Synergien genutzt und Ressourcen effizienter eingesetzt werden.

Outsourcing neu beurteilen?

Die Beriker Gemeindeversammlung hat im Herbst 2025 ein Outsourcing der Bereiche Steuern sowie Planung und Bau abgelehnt. Der damalige externe Bericht stützte sich weitgehend auf die von der Gemeinde gelieferten Zahlen, ohne diese vertieft zu hinterfragen oder eigene unabhängige Szenarien zu entwickeln.

Zu berücksichtigen ist zudem, dass im Kanton Aargau seit rund einem Jahrzehnt mit dem harmonisierten Rechnungslegungsmodell HRM2 gearbeitet wird. Dadurch bestehen heute vergleichbare und standardisierte Finanzdaten, die eine fundiertere Beurteilung von Kosten, Strukturen und möglichen Synergien – auch im interkommunalen Kontext – ermöglichen würden.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob eine erneute, ergebnisoffene Prüfung sinnvoll wäre – insbesondere im Hinblick auf mögliche interkommunale Zusammenarbeit.

Reihenfolge ist entscheidend

Die Diskussion um eine neue Verwaltungsstelle darf nicht isoliert geführt werden. Bevor neue operative Modelle oder zusätzliche Stellen geschaffen werden, braucht es eine klare strategische Ausrichtung der Gemeinde.

Erst wenn definiert ist, welche Ziele Berikon mittel- und langfristig verfolgt, kann beurteilt werden, welche Organisationsstruktur dafür geeignet ist.

Die Reihenfolge ist zentral: zuerst Strategie, dann Struktur – nicht umgekehrt.


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